Baulicher Brandschutz Müllraum

05.04.2019

Müllräume sind Brandgefährlich!

Abgebrannter Müllbehälter
Abgebrannter Müllbehälter

Sie dienen uns. um unseren Müll einfach und schnell los zu werden.

Bei Brandschutzeigenkontrollen sowie in meinen Brandschutzseminaren, ist das Thema Müllraum oder Abfallsammelstelle ein häufiges und wichtiges Thema.

Wie muss ein Abfallsammelraum Brandschutztechnisch ausgeführt sein?

Eine Abfallsammelstelle im Gebäude, so wird der Müllraum in der OIB Richtlinie bezeichnet, ist mit Wänden und Decken in massiver Ausführung auszustatten. 

Die Brandschutzqualifikation muss REI 90 bzw. EI 90 betragen. Das bedeutet ein Feuerwiderstand von 90 Minuten bei Tragenden und nicht tragenden Wänden.

Der Müllraum wird auch als Raum mit erhöhter Brandgefahr in der OIB tituliert.

Solcherart Räume sind mit Verkleidungen der Brandschutzqualifikation nach EN 13501 mit A2- nichtbrennbar mit brennbaren Bestandteilen, auszuführen.

TÜRSTOPPER SIND GEFÄHRLICH und TABU

Für eingebaute Türen und Tore gilt eine Brandschutzqualifikation von Minimum 30 Minuten mit einem automatischen Türschließer.

Die nahezu überall montierten Türstopper mit Verriegelung am Boden, ohne Auslösevorrichtung bei einem Brand, sind verboten.

Es könnte bei einem entstehenden Brand dazu führen, dass eine Person nicht bemerkt, dass der Feststeller betätigt ist und so nicht aus dem Müllraum kommt. Laut ÖNORM B 3850 ist eine Brandschutztür immer geschlossen zu halten, mit den üblichen Ausnahmen sofern eine automatische Auslöseeinrichtung verbaut ist.

Üblicherweise sind das Haltemagnete, die an der Tür angebracht sind, mit Rauchmelder und Brandfallsteuerung. Diese löst bei Rauchentwicklung aus und schließt die Brandschutztür. Alternativ gibt es auch Auslöseelemente in Türschließern.

Sonstige Einbauten müssen entsprechende Bandschutzqualifikationen aufweisen:

Bei der Gefahr eines Brandüberschlages gilt dies beispielweise auch für Fenster, sofern keine anderwärtigen Maßnahmen wie ausreichend Abstand zum nächsten Brandabschnitt gewährleistet ist.

Hier ist besonders darauf zu achten, dass bei den Türen eine Brandschutzfunktion eingearbeitet ist. 

Häufig werden Lüftungsöffnungen sowohl in den Türen als auch in der Mauer ausgeführt.

Lüftung:

Bei Lüftungsöffnungen ist darauf zu achten, dass eine entsprechende Ausführung zu Tragen kommt.

Ich kann aus der Praxis jedem verantwortlichen Brandschutzbeauftragten nur raten, sich die Ausführung der baulichen Brandschutzqualifikation vom jeweiligen Fachunternehmen extra bestätigen zu lassen, da häufig dieses Thema nicht sonderlich  gut ausgeführt ist und Mängel bei der Ausführung bestehen.

Lüftungen müssen ebenso bei der Brandschutzkontrolle berücksichtigt werden. Die Lüftung muss je nach Gebäudeklasse richtig installiert und ausgeführt sein. Über Dach zu entlüften kann notwendig sein, wenn zum Beispiel eine unzumutbare Geruchsbelästigung entsteht.

Ausreichend Licht ist notwendig:

Die Beleuchtung ist ausreichend zu dimensionieren. Die Stadt Wien empfiehlt beispielsweise 200 Lux und 2 Leuchtkörper, falls einer ausfällt.

Brandschutz - organisatorisch, Erste Löschhilfe

Automatische Alarmierung - hier kommt es auf die Nutzung und Situierung im und um das Gebäude an. Liegt der Müllraum direkt im Bereich eines Hauptfluchtwegs, ist eine automatische Alarmierung auf jeden Fall sinnvoll.

Vergessen Sie nicht den Feuerlöscher für diesen Raum!

Die regelmäßige Eigenkontrolle ist ein Muss. Kontrollieren Sie regelmäßig - mindestens einmal im Monat wie intensiv die Lagerungen im Müllraum sind. Lagerungen außerhalb der Behälter haben im Abfallsammelraum nichts zu suchen. Weisen Sie regelmäßig die Bewohner oder Nutzer eines Müllraums auf Missstände hin. In Müllräumen brennt es häufiger als man es vermuten würde.

Gerade wenn viele Personen ein oder ausziehen, wird der Müllraum häufig als einfache Entsorgungsmöglichkeit missbraucht.

Fluchtwegbeschilderung, Beleuchtung

In Wien wird etwa empfohlen, dass der Fluchtweg gekennzeichnet wird - auch das Notausgangsschild ist sehr wichtig - etwa, wenn es mehrere Zu- und Ausgänge gibt.

Quellverweise:

https://www.oib.or.at/de/oib-richtlinien/richtlinien-ausgaben Aktuelle OIB Richtlinie 2 für Brandschutz: Kapitel Ausbreitung von Feuer und Rauch innerhalb des Bauwerkes Abs: 3.9 Räume mit erhöhter Brandgefahr 3.9.1 Heiz-, Brennstofflager- und Abfallsammelräume gelten jedenfalls als Räume mit erhöhter Brandgefahr. 3.9.2 Wände und Decken von Räumen mit erhöhter Brandgefahr müssen in REI 90 bzw. EI 90 ausgeführt und raumseitig in A2 bekleidet sein. Türen und Tore oder sonstige Verschlüsse müssen in EI2 30-C ausgeführt werden. Bei Außenbauteilen gelten diese Anforderungen nur, wenn die Gefahr einer Brandübertragung auf andere Gebäudeteile besteht.

Erläuterungen zur OIB Richtlinie 2 (Version 2015):

Zu Punkt 3.9: Räume mit erhöhter Brandgefahr In Punkt 3.9.1 wird festgelegt, dass Heiz-, Brennstoff- und Abfallsammelräume jedenfalls als Räume mit erhöhter Brandgefahr gelten, zumal dort das Entstehungs- bzw. Ausbreitungsrisiko eines Brandes erfahrungsgemäß beträchtlich ist.

Aktuelle OIB Richtlinie 4, Abs. 4.1 Abfälle Bauwerke müssen über Abfallsammelstellen oder Abfallsammelräume verfügen, die dem Verwendungszweck entsprechen. Diese müssen so situiert und ausgestaltet sein, dass durch die Benützung der Abfallsammelbehälter keine unzumutbare Belästigung durch Staub, Geruch oder Lärm entsteht, und dass die jeweils vorgesehene Art der Sammlung und Abholung leicht durchführbar ist. 4.2 Abfallsammelräume müssen be- und entlüftet sein. Die Lüftungsöffnungen sind so zu situieren, dass es zu keiner unzumutbaren Geruchsbelästigung kommt. Die Fußböden und Wände von Abfallsammelräumen müssen leicht zu reinigen sein. Die Abholung der Abfälle muss auf kurzen, möglichst stufenlosen Wegen möglich sein.

Müllraumrichtlinie Stadt Wien: https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/service/publikationen/pdf/ma48-behaelterstandplatzrichtlinien.pdf